Type Gräf / Steyr NM 155 N9H (Wien, 1992-2007)
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Geschichte
Wegen der altersbedingten Ausmusterung der Steyr Citybusse musste zu Beginn der 90er Jahre ein passender Ersatz gefunden werden.
Nachdem sich der Hochflur Midibus Prototyp LH 136 M8 Nr. 8400 aus dem Jahre 1987 nicht bewährte bzw. die Niederflurtechnik inzwischen Einzug hielt, wurde der Bus nach nur 3 Jahren Einsatzzeit im Linienverkehr im Jahr 1990 ausgemustert und in den Infobus Nr. 9900 umgebaut.
Parallel zur Entstehung des Wiener Niederflurbusses NL 205 M12 im Jahre 1991 und 1992 wurde eine neue Bustype für den Einsatz in der Innenstadt und auf schwächer frequentierten Linien entwickelt. Wichtige Kriterien waren dabei Wendigkeit, Flüssiggasantrieb, Niederflurigkeit, sowie eine technische Ähnlichkeit mit den Normalbussen.
Wie schon beim NL 205 M12 wurden die Firmen Gräf & Stift und Steyr mit der Entwicklung und Fertigung beauftragt.
Gräf & Stift entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern MAN extra einen eigenen Motor (Type "GO 826 DOH") mit 110KW Leistung, sowie die Bodengruppe. Aus konstruktionsbedingten Gründen war eine Stufe nach der hinteren Türe unvermeidbar, bei den Einstiegen gibt es jedoch keinerlei Stufen, die Einstiegshöhe beträgt vorne 32 cm, bei der hinteren Türe 34 cm. Das Fahrzeug kann außerdem mittels Kneeling um weitere 9 cm abgesenkt werden. Als Besonderheit ist die vordere Türe nur einflügelig, sie ist aber etwas breiter.
Steyr war wieder für den Aufbau zuständig, das Aussehen entsprach weitgehend dem NL 205 M12, von dem es damals erst die beiden Prototypen Nr. 8800 und 8802 gab.
Im Herbst 1992 wurden die ersten beiden Fahrzeuge, Nr. 8301 und 8302, gebaut und von den Wiener Verkehrsbetrieben in den Fahrzeugstand übernommen. Im November wurde die neue Bustype in den Medien vorgestellt, sie kam allerdings vorerst noch nicht zum Einsatz.
Die Midibusse bereiteten anfangs große Probleme, vor allem der Motor, weshalb sich der Einsatz um einige Monate verzögerte. In der Zwischenzeit (1993) wurden auch schon die restlichen 19 Midibusse gebaut, sie verblieben aber noch für einige Zeit beim Hersteller.
Sämtliche Busse wurden schließlich dann der Betriebsgarage Spetterbrücke zugeteilt.
Am 29. März 1993 kam es schließlich zum planmäßigen Ersteinsatz auf der Linie 12A. Schon nach kurzer Zeit wurde der Einsatz auf die Linien 8A und 9A ausgeweitet. Schließlich erfolgte die Umstellung der Citybuslinien 3A am 3. September 1994 und 2A am 13. September 1994. Aufgrund von Kapazitätsproblemen verschwanden die Midibusse jedoch schon relativ bald an Werktagen von den Linien 8A und 12A. Sie kamen dort nur mehr am Wochenende, meist nur am Sonntag, zum Einsatz.
Bereits in den Anfangszeiten kam es zu größeren Problemen, vor allem die Lärm- und Hitzeentwicklung wurde nie so recht in den Griff bekommen. Der extreme Motorenlärm führte zu größeren Anrainerprotesten und auch Medienberichten.
Auch die erst ein paar Jahre später nachträglich eingebauten Lüftungsschlitze auf der Heckklappe konnten die Situation nicht wesentlich verbessern, die Midibusse blieben weiterhin sehr laut.
Später (1995/1996) wurde der Einsatz auch auf die Linie 57A (nur an Sonn- und Feiertagen), sowie auf die Linie 64A ausgeweitet. Vom 57A verschwanden sie aber wieder nach wenigen Monaten. Auch im Nachtverkehr fuhren die NM 155 für kurze Zeit, auf der inzwischen eingestellten Linie N52 reichte unter der Woche ein Midibus aus. Im Jahre 1999 fuhr auch ein einziges Mal ein Midibus in der morgendlichen HVZ auf der Linie 62A.
Im Jahre 2000 brannte der Motor des Busses Nr. 8321 aus, dieser musste anschließend als erster Midibus am 17. März 2000 ausgemustert werden.
Seit dem Jahr 2003 werden die Midibusse nach und nach wegen ihres Zustands oder zu teuren Reparaturen, z.B. nach Unfallschäden, ausgeschieden und zum Teil als Ersatzteilspender für die verbleibenden Fahrzeuge verwendet.
Die NM 155 waren bei den Lenkern nie besonders beliebt, auch das Werkstättenpersonal konnte sich mit den ungeliebten Sonderanfertigungen nie richtig anfreunden.
Im 2004 wurde der Nachfolger der Midibusse, der VW/Kutsenits City IV-KB 235 präsentiert. Er verdrängte ab September 2005 die NM 155 von den Citybuslinien 2A und 3A. Im Juni 2006 endete der Einsatz auf der Linie 64A.
Im Februar 2006 wurde der Bus Nr. 8306 an die Betriebsgarage Vorgarten übergeben, wo er mit einer Totalwerbung inklusive Fensterbeklebung in gelb-blau versehen wurde. In diesem Design kam der Bus zwischen 18. Februar 2006 und 26. Mai 2007 jeden Samstag im 30 Minuten Intervall als Shuttlebus zwischen Kagran U und dem "Möbel Ludwig" in der Hermann-Gebauer-Straße zum Einsatz.
Nach dem vorübergehenden Ende des Shuttleverkehrs für "Möbel Ludwig", wurde der Bus anschließend noch bis 18. Juni 2007 als Personalshuttlebus zwischen der U-Bahnstation Leopoldau und der neuen Betriebsgarage Leopoldau eingesetzt, ehe er eine Woche später, am 25. Juni 2007 als letzter Midibus aus dem Stand genommen wurde.
Der letzte Einsatz im Linienverkehr erfolgte bereits am 1. Juni 2007 mit dem Wagen 8319 auf der Linie 2A.
Bus Nr. 8316 wurde im Oktober 2005 an das Österreichische Omnibusmuseum zur musealen Aufbewahrung übergeben.
Baureihen
Linien
Auf diesen Linien kamen die MidiBusse zum Einsatz:
- Linie 2A (war Stammtype)
- Linie 3A (war Stammtype)
- Linie 8A
- Linie 9A (war Stammtype)
- Linie 12A
- Linie 57A
- Linie 64A
- Linie N52
Statistik
| Nummer | Kennzeichen | Erstzulassung | Ausgemustert | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| 8301 | W 8301 LO | 23 12 1992 | 14 08 2003 | |
| 8302 | W 8302 LO | 23 12 1992 | 09 11 2004 | |
| 8303 | W 8303 LO | 02 03 1993 | 12 09 2005 | |
| 8304 | W 8304 LO | 02 03 1993 | 23 10 2003 | |
| 8305 | W 8305 LO | 02 03 1993 | 19 10 2005 | |
| 8306 | W 8306 LO | 02 03 1993 | 25 06 2007 | "Möbel Ludwig"-Shuttlebus |
| 8307 | W 8307 LO | 02 03 1993 | 12 04 2006 | |
| 8308 | W 8308 LO | 02 03 1993 | 19 10 2005 | |
| 8309 | W 8309 LO | 02 03 1993 | 07 05 2004 | |
| 8310 | W 8310 LO | 02 03 1993 | 03 05 2007 | |
| 8311 | W 8311 LO | 02 03 1993 | 07 06 2006 | |
| 8312 | W 8312 LO | 02 03 1993 | 19 10 2005 | |
| 8313 | W 8313 LO | 09 03 1993 | 14 06 2002 | |
| 8314 | W 8314 LO | 09 03 1993 | 04 09 2002 | |
| 8315 | W 8315 LO | 09 03 1993 | 13 08 2004 | |
| 8316 | W 8316 LO | 09 03 1993 | 19 10 2005 | Omnibusmuseum |
| 8317 | W 8317 LO | 09 03 1993 | 22 02 2007 | |
| 8318 | W 8318 LO | 09 03 1993 | 19 10 2005 | |
| 8319 | W 8319 LO | 09 03 1993 | 05 06 2007 | |
| 8320 | W 8320 LO | 09 03 1993 | 11 05 2005 | |
| 8321 | W 8321 LO | 09 03 1993 | 17 03 2000 | Motorbrand |
Technische Daten
- Länge: 9.030 mm
- Breite: 2.500 mm
- Höhe (inkl. Gastank): 3.340 mm
- Sitzplätze: 21
- Stehplätze: 36
- Motor: 6 Zylinder-4 Takt-Heckmotor für Flüssiggas
- Leistung: 110 kW
- Hubraum: 6.871 cm3
- Tank: 2 x 200 Liter Flüssiggas am Dach
- Getriebe: Voith Midi Mat Automatik
- ABS, ASR
- Brose - Matrixzielanzeige
Besonderheiten
Bei den NM 155 handelt es sich um die weltweit einzigen flüssiggasbetriebenen niederflurigen Midibusse.
Aufgrund der Wärmeentwicklung konnte die Heckfläche nie für Werbung genutzt werden, erst in den letzten Jahren wurden die Heckscheiben immer wieder für Werbungen verwendet, es kamen dabei Lochfolien zum Einsatz.
Die Midibusse haben im Gegensatz zu den NL 205 M12 und NG 235 M18 eine Matrixanzeige von Brose.
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