Liniensystem (Wien und VOR)

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Bis zur Einführung des neuen, auch heute noch gültigen Linienbezeichnungssystem ab Februar 1907, wurden die Fahrtziele der Straßenbahnlinien mit farbigen, geometrischen Symbolen gekennzeichnet, die noch dazu für jede Fahrtrichtung verschieden waren. So wurde 1907 auf ein reines Linienbezeichnungssystem, bestehend aus Buchstaben und Zahlen, umgestellt, das jede Linie in beiden Fahrtrichtungen eindeutig definierte. Viele Jahre später wurden die Grundzüge dieses Systems auch auf das inzwischen stark angewachsene Autobusnetz angewendet und ersetzte bei diesem die zuvor etwas willkürliche Nummerierung der Autobuslinien. Auch der 1984 eingeführte Verkehrsverbund Ost-Region hielt an diesem System fest und ordnete alle in das Verbundnetz hinzukommenden Autobuslinien nach diesem System ein.

Inhaltsverzeichnis


Liniensystem Straßenbahn

Das Liniensystem beruht auf den bereits 1903 nach der Übernahme des Betriebes der Straßenbahnlinien durch die Gemeinde Wien eingeführten drei Kategorien: Rundlinien, Radiallinien und Durchgangslinien.

Rundlinien
Rundlinien sind – annäherungsweise – in konzentrischen Kreisbögen rund um das Stadtzentrum angeordnet. Die Nummerierung erfolgt von innen nach außen, vorgesehen sind Linienbezeichnungen von 1 bis 20, von denen heute die Liniennummern 5, 6, 9, 10 und 18 verwendet werden.
Radiallinien
Radiallinien führen vom Stadtzentrum hinaus in die ehemaligen Vororte, können aber auch in Verlängerung von der Stadt kommenden Linien erst dort beginnen und erhalten Liniennummern zwischen 21 und 80. Die höchste Linienbezeichnung trägt derzeit die Linie 71. Die Nummerierung beginnt mit der nach Nordosten führenden Ausstellungsstraße und erfolgt gegen den Uhrzeigersinn. So finden sich die 20er-Nummern im Osten, die 30er im Norden, die 40er im Nordwesten, die 50er im Südwesten, die 60er im Süden und die 70er im Südosten. Ganz konsequent ließ sich das System aber schon ziemlich zu Beginn nicht halten, da bereits durch die Verlängerung der ursprünglich erst ab Hietzing verkehrenden Linien 58 und 59 die gleichen Unstimmigkeiten auftraten, wie Jahrzehnte später bei der wieder eingeführten Linie 40.
Durchgangslinien
Durchgangslinien befahren eine Streckenkombination aus einer Rund- und ein oder zwei Radiallinien. Sie werden, wenn sie den Ring oder Kai als Verbindung zwischen den Radialästen verwenden, mit einem Buchstaben bezeichnet, bei Benützung anderer Rundlinien wird diese als Index zusätzlich zum Buchstaben angezeigt. Derzeit gibt es die Linien D] und O, früher bedeutende Durchgangslinien waren die über die Zweierlinie geführten Linien E2, G2 und H2. Es wird die Aufgabe der Buchstabenbezeichnung für Durchgangslinien angestrebt, was mit der Einführung der neuen Durchgangslinien 1 und 2 manifestiert wird. Die Umbenennung von D in 3 und O in eine noch nicht fixierte Ziffernlinie scheiterte vorerst.
Durchmesserlinien
Durchmesserlinien, also Linien, welche die Innenstadt durchqueren, hat es in Wien nie gegeben.
Nicht systemkonforme Benennungen
Die Linien 40 und 41 gehören eigentlich vertauscht; dies ist historisch bedingt, da die 1911 errichtete Strecke zur Herbeckstraße im Schema nicht vorgesehen war und von der Linie 41A, später auch von der Linie E2 befahren wurde und nach der Einstellung der legendären Zweierlinien 1980 durch die nicht ganz korrekt bezeichnete Linie 40 befahren wird.
Die Linie 67 ist in der heutigen Form bei der Eröffnung der Linie U1 im Februar 1978 entstanden und eigentlich eine Kombination zweier Radiallinien mit einem kurzen Verbindungsstück über die Rundlinie 6 in der Quellenstraße. Sie müsste daher eine Buchstabenlinie mit dem Index 6, z. B N6 oder O6, sein.
Die Linie 26 hat in den letzten Jahrzehnten mehrere zum Teil gravierende Änderungen in der Streckenführung erfahren. War sie zunächst eine klassische Radiallinie (Wagramer Straße – Stadlau, mit Verlängerungen zum Praterstern), so wurde sie 1911 von der Rundlinie 16 abgelöst und musste pausieren. 1972 als Radiallinie zwischen Stadlau, Zschokkegasse und Stadtbahnstation Schottenring wieder eingeführt, ist sie in der heutigen Form (AspernStrebersdorf) eindeutig eine Durchgangslinie die grob gesprochen die beiden Radialäste der alten Linien 26 und 32 über die Rundlinie 17 verbindet. Daher wäre ein Buchstabensignal mit dem Index 17, z. B. C17 angezeigt.
Die Linie 33 ging aus der früheren HVZ-Linie 31/5 hervor. Sie stellt ebenfalls eine Durchgangslinie dar und könnte eigentlich mit einem Buchstaben mit dem Index 5, z.B. C5, bezeichnet werden. Aber das alles sind Spinnereien, da man sich in Wien bei der Liniensignalisierung längst von all diesen Besonderheiten, die heute auch kaum noch einen Sinn, bzw. für das Publikum einen Informationswert hätten, längst verabschiedet hat.

Historisch war das System noch viel komplexer, so gab es etwa durchgestrichene Linien, Linien mit Indices, Hunderterlinien und Bruchstrichlinien. Nähere Informationen hierzu siehe Weblinks.

Zonensystem Verkehrsverbund Ost-Region (VOR)

Das Tarifmodell des 1984 geschaffenen Verkehrsverbund Ost-Region beruht auf der Einteilung des Verbundraums in Tarifzonen. Das Stadtgebiet von Wien stellt die Kernzone 100 dar, um welche sich die Außenzonen konzentrisch und Sektoren weise gruppieren. Die Zonennummern sind dreistellig, die Hunderterstelle erhöht sich mit zunehmender Entfernung von Wien, während die Zehnerstelle den Sektor bezeichnet. Die Einerstelle dient zur weiteren Unterteilung der Sektoren in den Außenbereichen des Verbundraums. Die Sektorennummerierung erfolgte nach dem bestehenden Liniensystem in Wien. Mit zunächst der Richtung Nordosten verlaufenden Nordbahn beginnt analog zur Achse Praterstraße die Sektorennummerierung entgegen dem Uhrzeigersinn. Während das Liniensystem der Straßenbahn für die Radiallinien lediglich den Bereich von den 20er- bis zu den 80er-Nummern abdeckt, wird beim Zonensystem die Lücke im Osten durch die Verwendung der Ziffern 1, 9 und 0 an der Zehnerstelle geschlossen.

Liniensystem Autobus

Die ersten Autobuslinien folgten dem System der Straßenbahnlinien nicht. Als in den 60er-Jahren viele Straßenbahnlinien durch Autobusse ersetzt wurden, übernahmen diese die Linienbezeichnung der Straßenbahn und auch die sonstigen Buslinien wurden dem Schema angepasst. Ab 29. Juni 1974 wurden für die Stadtbuslinien die Zusätze A, B und S vergeben. A-Linien waren Linien der Wiener Verkehrsbetriebe (heute: Wiener Linien) oder in deren Auftrag von privaten Busunternehmungen betriebene, B-Linien wurden von privaten oder staatlichen Verkehrsunternehmen betrieben die zwar Fahrscheine der WVB akzeptierten, aber nur solche zum Haustarif verkauften und auf den S-Linien galt überhaupt ein Sondertarif. 1988 wurden die Regionalbuslinien in den Verkehrsverbund Ost-Region integriert, sie erhielten dreistellige Nummern. 1995 wurde das Wiener Nachtbusnetz stark erweitert und die Linienbezeichnungen an das Tagesnetz angepasst (Tagesliniennummer mit dem vorgestellten Buchstaben N), wobei hier seit 2002 der VOR-Tarif anstelle des bisherigen Sondertarifs gilt. 2001 wurde die ausschließlich als Anrufsammeltaxi (ASTax) verkehrende Linie 44T eingeführt.

Buslinien der Wiener Linien (A-Linien)

Buslinien, deren Konzession und Zuständigkeit bei den Wiener Linien liegt, sind mit dem nachstellten Buchstaben A gekennzeichnet (A-Linien). Diese können von den Wiener Linien selbst betrieben werden oder im Auftragsverkehr fahren.

Der Auftragsverkehr wird derzeit von folgenden Unternehmen durchgeführt:

In diesen Linien gilt der VOR-Tarif der Kernzone 100.

Ausnahmen:

Eine Ausnahme stellt die Linie 11B dar, welche selbst von den Wiener Linien als Verstärkung der Linie 11A betrieben wird.
Weitere Außnahmen sind die Linien 90A, 91A, 92A, 93A, 94A, 97A und 98A, die alle von Dr. Richard betrieben werden (komplette Betriesbsführung: neben Bussen auch Verwaltung der Haltestellen und Fahrpläne), hier gilt der Gemeinschaftstarif der Wiener Linien
Die B-Linien 7B und 52B gehören den Wiener Linien, werden aber von privaten Busunternehmen betrieben.

Private Buslinien in Wien (B-Linien)

Buslinien, die in Tarifgemeinschaft mit den Wiener Linien und somit zum VOR-Tarif verkehren, sind mit dem nachgestellten Buchstaben B gekennzeichnet (B-Linien). Auf den meisten B-Linien gilt anstelle des VOR-Kurzstreckentarifs ein Haustarif.

Folgendes Unternehmen betreibt die B-Linien in Wien:

Die Linien 46B/146B und 56B/156B sind größtenteils gegenläufige Rundkurse. Zur besseren Unterscheidung der Fahrtrichtung wurden die gegen den Uhrzeigersinn verkehrenden Kurse mit der entsprechenden Hunderternummer versehen.

Regionalbuslinien

Die Regionalbuslinien des VOR sind durch dreistellige Nummern gekennzeichnet, die sich an den befahrenen Zonen orientieren. Bei der 1988 erfolgten Integration der Buslinien in den VOR erhielten auch alle in Wien durch den damaligen Bundesbus (Bahn- und Postbusse) betriebenen B-Linien eine dreistellige Linienbezeichnung, beispielsweise wurde die Postbus-Linie 52B zu den Linien 148 und 152. Auch die über die Stadtgrenze verkehrenden Dr. Richard-Linien 125 und 171 wurden umbenannt. Später kam noch die Linie 147 (Blaguss) hinzu. Ungewöhnlich ist die Liniennummer 106 für den von Dr. Richard betriebenen Rundkurs am Zentralfriedhof. Diese Linie verkehrt seit 2. November 2004 in Tarifgemeinschaft mit den Wiener Linien (also zum VOR-Tarif) und bietet auch einen eigenen Haustarif an – eigentlich eine typische B-Linie (früher: Linie 11). Der von Blaguss betriebene Karmeliterbus im 1. und 2. Bezirk trug zwar die Liniennummer 102, verkehrte aber nicht zum VOR-Tarif.

Nachtbuslinien

Die Linienbezeichnung der 1995 eingeführten NightLine-Kurse orientieren sich an den Nummern der Taglinien. So verkehrt die Linie N41 auf der Strecke der Straßenbahnlinie 41 oder die Linie N66 überwiegend auf der Strecke der ehemaligen Straßenbahnlinie 66 bzw. der heutigen Buslinie 66A. Die Nachtbuslinien werden von den Wiener Linien betrieben (ausgenommen ASTax-Kurse). Es gilt seit Juni 2002 der VOR-Tarif, zuvor gab es eigene Nachtbus-Fahrscheine.

ASTax-Linien

Die in Schwachlastzeiten bestimmte Tag- oder Nachtlinien ersetzenden Anrufsammeltaxi-Kurse behalten die Linienbezeichnung der entsprechenden Buslinie bei. Eine Ausnahme bildet die ausschließlich als ASTax verkehrende Linie auf den Predigtstuhl, welche die Bezeichnung 44T erhielt. Die ASTax-Linien werden in Wien von verschiedenen Firmen im Auftrag der Wiener Linien betrieben. Es gilt der VOR-Tarif.

Liniensystem Regionalzüge und Schnellbahn

Als dem Start des Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) im Jahre 1984, der auch die Schnellbahn-Linien in und um Wien mit einbezog, bestand die Notwendigkeit diese mit Linienbezeichnungen zu versehen. Auch dabei orientierte man sich am Liniensystem der Straßenbahn. Die Schnellbahnzüge der Wien nach Norden verlassenden Franz-Josefs-Bahn erhielten die Bezeichnung S40, während die nach Südosten verlaufende Schnellbahnlinie vom Südbahnhof zur Erzherzog-Karl-Straße die Nummer S80 bekam. Ein Problem waren jedoch die durchgehenden Züge der Schnellbahnstammstrecke, welche in diesem Schema nicht unterzubringen waren. Die Linien der Stammstrecke erhielten einstellige Nummern (S1, S2, S3, S7), alle anderen zweistellige (die später eingeführte Linie S15 zur Westbahn entsprach nicht diesem Schema). Die Linien S1, S2 und S3 wurden nach ihren Nordästen bezeichnet.

Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 wurde das Liniensystem der Stammstrecke geändert. Die Linienbezeichnung wird nun nach der Endstation des Zuges vergeben, wobei die befahrene Strecke weiterhin Berücksichtigung finden kann (siehe Schnellbahnlinien). Zusätzlich eingeführt wurde die Zugsgattung RSB (Regio-S-Bahn) für Züge, welche einen Teil ihres Zuglaufes als Schnellbahn mit Halt in allen Stationen zurücklegen, einen anderen Teil jedoch eilzugartig mit weniger Stopps. RSB-Züge erhalten dieselbe Liniennummer wie die entsprechenden Schnellbahnzüge in dieser Relation. Aus diesem geänderten Schema resultierte die Schaffung zweier neuen Schnellbahnlinien, nämlich der Linie RSB 8 über die Ostbahn zum Südbahnhof (bis dahin S7) sowie der Linie S9 für alle auf der Südbahn endenden Züge (bis dahin S1, S2 und S3). Gänzlich neu eingeführt wurde die Linie S4 welche über Stockerau nach Absdorf-Hippersdorf und Krems an der Donau führt. Die S40 wurde von Tulln nach Sankt Pölten verlängert. Neu ist auch die Sprachregelung der ÖBB: Die "Schnellbahn" musste nun offiziell der "S-Bahn" weichen.

Mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2005 wurden vom VOR die kaum mehr verwendeten Bezeichnungen der Regionalbahnlinien aufgegeben, stattdessen werden die ÖBB-Fahrplanbuch üblichen dreistelligen Fahrplanbildnummern verwendet, die sich nun an den Schnellbahnliniennummern orientieren. Die früheren Bezeichnungen der Regionalbahnlinen waren ähnlich jeder der Schnellbahnnummerierung. Diese waren zweistellig, von einer Hauptstrecke ausgehende Linien erhielten die selbe Zehnerstelle. Die Linie S1 verkehrt von Wiener Neustadt nach Gänserndorf, anlehnend an diese Bezeichnung wurde für die Südbahn und von ihr abzweigende Strecken ausnahmsweise 10er-Nummern vergeben (R10 bis R14), die auch auf der Nordbahn (R15 bis R18) zu finden sind.

Liniensystem U-Bahn

Die Wiener Elektrische Stadtbahn verwendete zur Kennzeichnung der Linienverläufe ein System von Buchstabenkombinationen, welche in etwa die befahrenen Strecken beschreiben (z.B. WD für die Wiental-Donaukanal-Linie). Bei der U-Bahn konnte jedoch weder dieses System noch jenes der Straßenbahnlinien sinnvoll angewendet werden. Stattdessen verwendete man ungerade Ziffern für die Durchmesserlinien (U1 und U3) und gerade Ziffern für jene Linien, welche das Stadtzentrum zumindest teilweise umrunden (U2, U4, U6). Für die U5 traf dies jedoch nie zu, in keinem der zahlreichen und bislang nie verwirklichten Plänen sollte sie das Stadtzentrum queren.

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